Kandelaber-Königskerzen-Spezial

Die Kandelaber-Königskerze Verbascum olympicum hat ihren Blütenstängel nun hoch genug aus der Blattrosette erhoben und öffnete vor einer Woche ihre ersten Blüten an der Spitze der ersten „Kerze“ auf dem Leuchter, das war am 11. Juni 2017. Man kann auf den ersten Fotos sehen, dass es an der „Hauptkerze“ Anlagen zu Verzweigungen gibt, die ihrerseits Blütenknospen tragen, aber auch, dass sich unten an der Basis noch weitere Seitenarme des Kandelabers entwickeln:

 

Am 12. Juni 2017 machte ich eine Entdeckung, die zwar die Perfektion der Blätter beeinträchtigt, mich aber dennoch freut, denn die hübschen Raupen des > Königskerzen-Mönchs Cucullia verbasci oder Shargacucullia verbasci hatte ich noch nie zuvor gesehen. Den unscheinbar braunen Nachtfalter dazu, auch Brauner Mönch genannt, so erinnerte ich mich jetzt, hatte ich im vorigen Jahr schon bemerkt, als ich einen eiligen grossen Schemen unter dem nahestehenden Schmetterlingsflieder gestört hatte. Er war zu schnell weg, um ihn anders als braun und flatternd zu sehen, aber dass er größer war als die üblichen Eulenfalter im Garten, das hatte ich wohl wahrgenommen.
Dies sind nun also seine farbenfrohen, aber dennoch unglaublich gut getarnten Nachkommen, fotografiert zwischen dem 12. und 14. Juni 2017, wie ich sie in verschiedenen Größen sowohl auf Blattober- als auch -unterseiten gefunden habe:

 

Diese Mäusekötteln ähnlichen Häufchen stammen von der Raupe. Bei „Schmetterlingundraupe“ las ich, diese Raupen seien wahrscheinlich ungeniessbar, weil sie nicht gefressen würden; bei einer der kleinen Raupen konnte ich beobachten, dass die kleinen Ameisen, die im Garten hausen, anscheinend keine Probleme damit haben, und auch die Anzahl der großen Raupen hat sich seit der ersten Entdeckung stark reduziert, als gäbe es noch weitere Interessenten für die hübschen bunten Häppchen.
Es gibt aber auch weitere Tiere, denen die Königskerze als Aufenthaltsort zusagt:

 

Schwebfliegen wie die Garten-Schwebfliege Syrphus ribesii, Rapsglanzkäfer Brassicogethes aeneus, Wespen wie die Gallische Feldwespe Polistes dominula oder die Braunwurz-Blattwespe Tenthredo scrophulariae, verschiedene Hummeln wie Ackerhummel Bombus pascuorum, Erdhummel Bombus terrestris, Baumhummeln Bombus hypnorum und sogar Honigbienen Apis mellifera. Sogar einen kleinen gelben, schwarzgepunkteten Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer Psyllobora vigintiduopunctata konnte ich zwischen den Blättern herumkrabbelnd entdecken.

Die ursprünglich in Griechenland und der Türkei beheimatete Pflanze ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil sie so überaus groß ist und als Hingucker und spezieller Lebensraum im Garten dient, sondern auch, weil Verbascum olympicum anders als ihre einheimischen Verwandten, die nach der Blüte eingehen, am richtigen Standort ausdauernd bleibt.
Ihren Platz hat sie bei uns nah beim Haus, an einem terrassenartigen, gepflasterten Weg, dessen Ränder noch bis in den Grünbereich hinein eine Mischung aus Kies, geschreddertem Bauschutt und Erde enthalten. Während mich die Ausläufer des Unterbaus für das Pflaster beim Anlegen der Beete um das Haus herum schier zur Verzweiflung gebracht hatten, ist das für die Kandelaber-Königskerze genau das Richtige, seit dem Sommer 2015 gedeiht die Riesen-Königskerze und braucht sonst nichts, außer Platz für ihren grünen „Reifrock“ aus Mengen von Blättern, inzwischen wohl mehr als einen Quadratmeter.
Darüber hinaus ist sie auch im Winter attraktiv, weil diese Blattrosette grün bleibt, und ich auch den verblühten, trockenen braunen „Kandelaber“ als interessant genug empfinde, um ihn den Winter über stehenzulassen.

Die Fotos sind alle innerhalb der vergangenen Woche entstanden, vom 11.-18- Juni 2017 – bitte zum Vergrössern die kleinen Bilder anklicken.

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4 Gedanken zu “Kandelaber-Königskerzen-Spezial

  1. Was für ein Kraut ! Was für Blätter ! Was für schicke Raupen ! Was für ein irre schöner und interessanter Falter, der da herauskommen wird. Wahnsinn, was für eine Königin mit ihrem Hofstaat !!!! Echt toll, diese Pflanze, und über Raupen und Falter würde ich mich genauso freuen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Was für ein Kommentar! 🙂
      Der Falter ist so gut getarnt, dass ich wenig Hoffnung habe, ihn je anders als ein braunes Geflatter zu sehen, denn er ahmt mit seinem Aussehen perfekt Farbe und Struktur so eines vertrockneten Kandelaberblütenstands nach. Kleinere Königskerzen können die Raupen allerdings ganz schön zusammenfressen.

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