Besuch für Taglilien

Taglilien Hemerocallis sehen spektakulär aus und haben neben der Farbigkeit ihrer grossen Blüten auch starke Düfte zu eigen; meine goldgelbe Sorte zum Beispiel riecht ein bisschen nach Schweiss, nicht wirklich fies, aber eben auch nicht lieblich-blumig.
Trotzdem hat das seine Anhänger, die Insekten kommen und nutzen das Angebot, soweit ihnen möglich: Hummeln drängeln sich nach unten durch, wo sie die „Nektar-Leitung“ durchbeissen, weil der sehr kleine, zum Landen untaugliche kleine Stempel nämlich an einem langen „Faden“ aus der Blüte herausragt. Honigbienen tauchen ebenfalls bis auf den Blütengrund hinunter, wo sie aber nur dann etwas finden, wenn eine Hummel schon Vorarbeit geleistet hat. Sandbienen oder andere Pollensammler nutzen das großzügige Angebot der dicken Staubgefässe. Große Schwebfliegen, wie die Gemeine Keilfleckschwebfliege Eristalis pertinax auf dem Foto, fühlen sich zwar angezogen, können sich wegen ihrer Größe aber allenfalls auf den Blütenblättern sonnen.
Als Hauptbestäuber von Taglilien gelten Schwebfliegen, von denen gerade noch zu wenige unterwegs sind, nicht nur, um ein geglücktes Foto zu produzieren, sondern generell. Die Blütezeit meiner dottergelben, früh blühenden Taglilien ist für die norddeutschen Schwebfliegen zu zeitig.

Im Gegensatz zu so mancher Veröffentlichung, in der gerne mal auf die Insektenfreundlichkeit der Taglilien hingewiesen wird, habe ich meine Zweifel daran, dass dies im Vergleich zu anderen ungefüllten Gartenblumen mit kürzeren und breiteren Stempeln tatsächlich so wörtlich genommen werden sollte, denn richtig ist zwar, dass sie Insekten anlocken, doch ist dies allzu oberflächlich betrachtet.
Es macht das zwar Freude, die Tierchen zu beobachten, führt aber leider viele der Gäste irre, wie es auch unsereinen enttäuschen würde, bekämen wir eine Einladung zur Party, aber nicht gesagt, dass es dort nur Musik gibt und schickes Ambiente.
Jeder von uns, der schlechte Laune bekommt, wenn er Hunger hat, ist schon auf dem richtigen Pfad der Empathie.
Nun muss man sich noch einen kleinen und schnellen Stoffwechsel vorstellen und was für eine Gemeinheit das ist, jemanden seine Energie verschwenden zu lassen, den weiten Weg für Duft und Farbe auf sich zu nehmen, um dann doch wieder das Weite suchen zu müssen, um satt zu werden!

Ich habe mir die Mühe gemacht, meine Bilddateien der vergangenen zehn Jahre mit dem Stichwort „Taglilie“ aufzurufen und die Insekten darauf zu suchen:
Außer kleinen Schwebfliegen, wie z.B. Hain- oder Stift-Schwebfliegen, fand ich auf all den vielen Fotos fast keine, Käfer und schutzsuchende Nachtfalter ausgenommen.
Die meisten Schwebfliegen besuchten die „Bahnwärter-Taglilie“ Hemerocallis fulva, deren Hauptblüte erst im „richtigen Sommer“ liegt, nicht zwischen Ende Mai und Anfang Juni.
Das gilt übrigens für den Zeitraum mit Garten im österreichischen Burgenland am Neusiedler See, wie für die vergangenen Jahre in Norddeutschland gleichermassen.

Hatte ich kürzlich noch überlegt, mir weitere Taglilien in den Garten zu holen, bin ich nun zur Ansicht gekommen, dass es mit dem Vorsatz, keine rein dekorativen Blütenpflanzen zu setzen, schwer zusammengeht.
Ich müsste auf später blühende Sorten achten, damit wenigstens Schwebfliegen und eventuell Nachtfalter etwas davon haben, und – ganz wichtig – müssten es europäische Züchtungen sein, die im Winter nicht frostbedingt zu faulen beginnen wie die Vielzahl verführerisch dekorativer, amerikanischer Sorten. So bin ich zwar froh mit meinen leuchtend dottergelben und dicken Büscheln rustikaler Taglilien ungewisser Herkunft, aber wende mein Interesse dann doch lieber anderen Arten zu, deren Nektarangebot leichter zugänglich ist.

Meine Fotos sind am 2. Juni 2017 im Garten gemacht, wie immer in Lüchow, im östlichen Niedersachsen, im Wendland. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder in der Galerie anklicken.

Advertisements

2 Gedanken zu “Besuch für Taglilien

  1. Ich habe auch den Eindruck, dass Lilien überwiegend Schwebfliegen anziehen und diese in Zahl stark zurück gegangen sind. Ich vermisse viele Insekten in diesem Frühjahr. Vielleicht wird es noch etwas besser zum Sommer hin. ich würde auch auf Nektarpflanzen setzen.

    Gefällt 1 Person

    • Früher habe ich mir darüber weniger Gedanken gemacht, ob diejenigen, die um Blüten herumschwirren, auch tatsächlich etwas davon haben, aber der auffalllende Mangel an so vielen Insektenarten in diesem Jahr schärft die Aufmerksamkeit.
      Mir fehlen bisher nicht nur die Honigbienen und Schwebfliegen, sondern auch Schmetterlinge und Käfer.

      Gefällt mir

Über Kommentare freue ich mich | thank you for your thoughts!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s