Von der Puerta del Sol zur Calle Mayor

Für das erste Foto in diesem Beitrag stand ich noch auf dem Platz Puerta del Sol, aber von dort kann man schon quer über den Platz hinübersehen bis zum Beginn der Calle Mayor, die links des hell gestrichenen Chafláns abzweigt, während der rechte Arm des „Y“ in die Calle del Arenal führt. Ein paar Schritte näher, und ich konnte in die Calle Mayor hineinzoomen, als sei ich schon an der Gabelung angekommen. Ich näherte mich dem Ausgangspunkt des langen Stadtbummels.

Für die Aufnahme rückwärts zur Puerta del Sol gewandt (Bild 3) stand ich bereits in der Calle Mayor, etwa gegenüber der Einmündung der Calle de Esparteros und so auch beim darauffolgenden Bild 4, mit dem zwischen dem Motiv und mir vorüberfahrenden Linienbus. Ich habe es dennoch genommen, den der obere Teil des runden Chaflán ist ja zu sehen: wie ein Schiffsbug ragt er in den (auf Tempo 30 beruhigten) Strassenverkehr von Calle Mayor, Calle de Esparteros und Calle Postas, die daran zusammentreffen. Das Haus wurde zu Beginn des 20. Jhs. vom Architekten Mariano López Sánchez für Don Balbino und Doña Juliana Pereda entworfen. Ohne Bus kann, wer mag, das > per Google StreetView ansehen aus, zufällig ist das derselbe Standplatz, und wer mag kann mit dem Link die gleiche Rundumsicht nachvollziehen, nur hatte ich das schönere Licht. Auch das Gebäude auf Bild 5, mit den Säulen, Fenster mit gebogenen Eisenkonstruktionen und rosa blühenden Zweigen von Judasbäumen am unteren Bildrand steht dort, die denkmalgeschützte Casa Palazuelo, ein grosses Geschäftshaus zwischen der Calle Mayor und der Calle del Arenal, 1921 fertiggestellt und eines der ersten reinen Büro- und Geschäftshäuser des damaligen Madrids, entworfen vom Architekten Antonio Palacios .
Blühende Judasbäume Cercis siliquastrum sind auch auf den nächsten Fotos zu sehen – sie schmücken diesen Abschnitt der Calle Mayor wirklich sehr ansprechend:

Die alte Dame mit ihren vier Hündchen an der Leine war zwar mein Hauptmotiv für das fünfte Bild, im Hintergrund ist aber auch ein Gebäude mit zwei Türmchen zu erkennen, das Edificio de la Compañía Colonial, für einen Schokoladenhersteller entworfen im eklektizistischen, aber auch einem für Madrid typischen modernistischen Stil von den Architekten Miguel Mathet und Jerónimo Pedro Mathet und zwischen 1906 und 1909 gebaut:

Wenig später nach diesen Aufnahmen stellte ich fest, dass ich aus dem kleinsten Fensterchen unseres Appartments die Türmchen des Edificio de la Compañía Colonial sogar noch aus viel grösserer Nähe sehen konnte. Aber so weit sind wir an dieser Stelle noch nicht ganz, nur fast: die Hausecke gegenüber ist aber bereits erreicht. „auro argento aere flando feriundo“ sind die Worte auf der zur Calle Mayor gewandten Seite, „triumviris monetalis“ stehen auf der anderen, der Calle de Felipe III zugehörigen Wand – lateinische Worte, die sicherlich einem Zitat entsprechen, aber an dieser Stelle wahrscheinlich auch ein Hinweis darauf sind, dass dort einmal ein Münzhändler seine Geschäftsräume hatte, ein Juwelierladen mit An- und Verkauf ist es heute.

Die unteren beiden Fotos gehören nun endlich zur „richtigen“ Ecke der Calle Mayor, die zur Calle de los Coloreros No.2 , zum Ausruhen von dem immens langen Stadtbummel durch Madrid. Die steinerne Marienfigur schmückt die Hausecke vermutlich schon länger, als die „cerveceria 100 montaditos“-Bar darin alt ist, vor der die blaugekleideten englischen Leicester-Fussballfans an den Strassentischen sitzen, man sieht sie auf dem letzten Foto.

Und man sieht auch die Haustür, zu der ich wollte – für den Moment hatte ich an diesem Nachmittag des 11. April 2017 nach beinahe sieben Stunden in Madrider Strassen nämlich wirklich genug! – Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder im Beitrag anklicken.

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6 Gedanken zu “Von der Puerta del Sol zur Calle Mayor

  1. Das ist schon eine ausgesprochen beeindruckende Straße(nkulisse)!

    Die Fahrradampeln (und -wege?) und der Linienbus auf den Fotos machen mich wieder neugierig auf die Situation von Radverkehr und ÖPNV in Spaniens Hauptstadt:
    Wie ist beides in Madrid im Vergleich z. B. zu Barcelona oder Lissabon?

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    • Gute Frage, denn Radfahrer sind mir im Madrider Innenstadtbereich kaum aufgefallen, weniger als in Barcelona, wo es immerhin Touristenführungen per Fahrrad gab. City-Bikes zu mieten sind allerdings auch vorhanden. Ich weiss, dass in Spanien begeisterte Radsportler die Wochenenden und Landstrassen nutzen, aber glaube, dass Radfahren in Spanien generell als Freizeitsport angesehen wird, nicht als Alltagsvehikel.
      Leute, die dem Fahrrad durch das Madrid de los Austrias zu fahren, ist jedenfalls im Stadtdbild quasi nicht vorhanden, auch wenn es vom Verkehr her vemutlich gar nicht so unangenehm wäre. Abstellmöglichkeiten, ob dafür vorgesehen oder nicht, würde ich als „nicht wirklich vorhanden“ beschreiben: es fährt nicht nur kaum einer, so dass es mir aufgefallen wäre, es stehen auch kein Räder auf der Strasse. In dem Haus mit Ferienappartments stand ein einzelnes Rad im Hausgang – ich habe aber nie gesehen, wem es gehört: ob Gast oder Besitzer.

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      • Danke für die ausführliche Beschreibung!
        Die Dominanz des Radsports gegenüber dem Alltagsradeln in Spanien war mir schon bekannt. Ich hätte aber gedacht, dass es für den Radverkehr zumindest in allen Großstädten schon besser aussieht. So hört es sich nach großem Nachholbedarf auf diesem Gebiet für Madrid an….

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        • Ich nehme an, es liegt am Lebensstil, denn wo Cafés und Bars den Raum auf dem Gehsteig beanspruchen (sollen), weil sie für die Madrider ihren sozialen Lebensraum nach Feierabend bedeuten, den sie aufsuchen, weil Freunde und Verwandte zu treffen in den viel zu kleinen und oft mit zu vielen geteilten, weil zu teuren Wohnraum unmöglich wäre, besteht bei einem gleichzeitigen hervorragenden Öffi-Netz kein Bedarf und stellt man sich vor, wo die Räder dann alle bleiben könnten, kaum eine praktische Möglichkeit, weder daheim noch unterwegs. Ab und zu sieht man im Vorbeigehen ein Fahrrad durch ein „Balkon“-Geländer, aber auch Balkons mit nutzbarer Fläche gibt es eher selten. Es ist in jedem Fall für den einzelnen Fahrradbesitzer weniger ein Problem, ob und wo er fahren könnte, sondern wo das Rad bleibt, wenn er gerade nicht darauf sitzt.

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