Von der Plaza de Canalejas zur Puerta del Sol

Durch die Carrera de San Jerónimo ging ich, nach ausgiebiger Bewunderung des imposanten rund einhundertjährigen Häuser-Rondells an der Plaza de Canalejas, Richtung Puerta del Sol. Bis zum Fotografieren der ersten Bilder dieses Beitrags waren wir seit 6 Stunden unterwegs. Endlich weg von der staubig-lauten Baustelle. Etwa wo die Seitenstrasse Calle de la Victoria dazustößt, drehte ich mich um und fotografierte den Blick zurück:

Der runde, reich verzierte Turm und der hölzerne, balkonähnliche Anbau, die mich beim Anblick der Casa Allende an Märchenbuch-Illustrationen erinnern, sind am linken Bildrand zu erkennen, während vorn das Restaurant Lhardy zu sehen ist, 1839 gegründet durch Emilio Huguenin, mit Sicherheit sehenswert und bei einem eventuellen neuerlichen Besuch in Madrid auf der Liste der Dinge, die ich tun möchte – und vorab reservieren. Ansehen? > Hier. Man kann, wenn man sich dort nicht zum Essen niederlässt, im hauseigenen Feinkostgeschäft auch etwas Kleines mitnehmen. Einen Kontrast zu dessen Ambiente bildet ein weiteres Restaurant mit ganz besonderer Ausstattung, gleich gegenüber:

La Taurina widmet sich ganz der Bewunderung für den Stierkampf, die Ausstattung mit den zahlreichen Fotos und echten Stierköpfen an den weiss gefliesten Wänden unter mantillaroter Decke ist nicht jedermanns Geschmack, aber für Spanier, die in dieser Tradition aufgewachsen sind und für auswärtige Touristen, die mit dem spanischen Stierkampf-Klischee im Kopf hier ihre Erwartungen erfüllen können, ist es eine gelungene Art von nostalgischem Bühnenbild, dieses Lokal von 1997. Von dort sind es auch nur noch wenige Schritte bis zur Puerta del Sol, dem grossen trubeligen Platz im Zentrum von Madrid, Treffpunkt von Strassen und Menschen.

Alte Postgebäude sehen einfach immer wieder toll aus: das alte Haupt-Postamt von Madrid nennt man Real Casa de Correos und das Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs. ist das älteste am Platz; es wirkt, am Südrand des Platzes hingestreckt, wie ein herrschaftlicher ‚Palacio‘. Von seinem Türmchen schlägt in der Silvesternacht die berühmte Glocke, zu deren Schlägen die Spanier ihre zwölf Trauben schlucken, und vor dem Hauptportal befindet sich die Stelle, von der ausgehend spanische Hauptstrassen mit dem Kilometer Null beginnen. Mehr darüber > hier.
Ganz bekannt ist auch die Plastik vom Bären am Erdbeerbaum: El Oso y el Madroño, 1967 geschaffen vom Bildhauer Antonio Navarro Santafé. Sie steht auf der Ostseite des Platzes. Der wilde Bär und der Erdbeerbaum (botanisch: Arbutus unedo, zählt zu den Heidekrautgewächsen und gedeiht im Mittelmeerraum) gelten als wichtige Symbole der Stadt Madrid, überliefert seit dem dreizehnten Jahrhundert.

Auch auf dem Platz der Puerta del Sol steht die für solche Plätze unentbehrliche Reiterstatue. Bei dem Standbild handelt es sich um eine Art „adaptierender Reproduktion“, ausgeführt von Miguel Ángel Rodríguez , Eduardo Zancada & Tomás Bañuelos Ramón 1994, unter Verwendung eines Entwurfs-Modells von 1780, von Juan Pascual de Mena angefertigt. Dieses alte Modell steht mit weiteren Modellen desselben Künstler-Wettbewerbs um den Auftrag zur Anfertigung einer Statue von Felipe V durch Carlos III. im Museum der Kunstakademie Real Academia de Bellas Artes de San Fernando. Für das Standbild wurde bei der Reproduktion des Modells im Madrid des 20. Jhs. das ursprünglich vorgesehene Porträt Felipe V. ausgestauscht gegen die Darstellung des Kopfes von Carlos III. nach Gemälden von Francisco de Goya und Anton Raphael Mengs.

Auf diesem letzten Bild im Artikel kann man schon quer über den Platz hinübersehen bis zum Beginn der Calle Mayor, die links des hell gestrichenen Chafláns abzweigt, während der rechte Arm des „Y“ in die Calle del Arenal führt. Ich näherte mich also dem Ausgangspunkt des langen Stadtbummels, doch davon im nächsten Eintrag.

Fotos vom Nachmittag des 11. April 2017 in Madrid, Spanien – klickt man die Bilder einzeln an, kann man sie noch etwas vergrössert betrachten.

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