Durch die Calle del Príncipe zur Plaza de Canalejas gegangen

Durch die Calle del Príncipe zur Plaza de Canalejas zu gehen und dabei herumzuknipsen, was alles mein Interesse einfing, war erheblich einfacher, als diese Fotos dann in den Blog zu bringen, dieses ständige Voraus- und Zurückblicken, Hinaufsehen und Überdiestrassegehen kommt mir im Nachhinein zum Zeigen schwer zu ordnen vor. Wahrscheinlich mache ich mir aber einfach zu viele Gedanken, weil es denen, die es kennen, genauso ergangen sein wird, und jenen, die nicht da waren, deswegen gar nichts ausmacht.

Das erste Bild zeigt noch einmal die Plaza de Santa Ana mit der Calle del Príncipe No. 25, dem Teatro Español, danach wandte ich mich für den weiteren Weg gegen die Blickrichtung im Bild, der Plaza de Canalejas zugewandt, Hausnummern absteigend. Über das Haus mit der ockerbraunen Sgraffito-Fassade und weiteren Verzierungen (Bild 2) hätte ich gern mehr erfahren, aber nichts gefunden, die etwa hundert Jahre alte Haustür der der Nummer 17 (Bild 3) fand ich einfach nur schön.

Für die nächsten drei Fotos ( Bilder 4-6) habe ich neugierig vorausgezoomt: das Edificio Meneses, zu dem das verspielt geschmückte weisse Gebäudeteil bzw. die weisse Kuppel mit den Säulen gehören, steht vorn an der Plaza de Canalejas, der in ein Baustellennetz verpackte Turm mit der Kupfer-„Zwiebel“ (Bild 6) sogar noch weiter dahinter, an der Calle de Sevilla. Auf dem ersten drei drei Bilder ist er links, entfernt und klein, zu erkennen.

Auch über die beiden auffallend dekorierten Gebäude der Motive auf den nächsten drei Fotos (Bilder 7-9) habe ich nichts gefunden – bei Barcelona, Lissabon, Gent und Brügge war das viel einfacher gewesen. Das Haus in der Calle del Príncipe No. 8 hat jedenfalls im Eingangsbereich zwischen Erdgeschoss und erstem Stock einen ganz bemerkenswerten Säulenschmuck vorzuweisen, sein Nachbarhaus eine „orientalisch“ anmutende Balustrade auf dem Dach.

Die nächsten drei Fotos (10-12) zeigen dasselbe Gebäude mit Chaflán zur Plaza de Canalejas, das ich vorher schon erwähnt hatte; das reich verzierte, geradezu tortenartig mit helmtragenden Köpfen, Säulen, Troddeln geschmückte Edificio Meneses. Es stammt aus den Jahren 1914-1915, und wurde vorwiegend als Geschäftshaus mit nur kleinem Wohnanteil unter dem Dach im Auftrag der Witwe des Finanziers Meneses von den Architekten José María Mendoza Ussía und José de Aragón Pradera im Stil des Eklektizismus gebaut.

Man muss das Foto von der Gesamtheit (Bild 12) länger betrachten, bis einem auffällt, dass es sich nicht um ein und dasselbe Bauwerk mit zwei verschieden geformten Türmchen handelt, sondern um zwei verschiedene, angebaute grosse Häuser. Das Edificio de Tomás Allende, auf dem Foto links, mit Holzbalkon an der Seite oberhalb der Carrera de San Jerónimo entstand erst danach, nämlich 1916-1920, im regional-hispanisierenden Stil nach einem Entwurf des Architekten Leonardo Rucabado. Der Turm auf Bild 13 gehört folglich zur Casa Allende. Beide Bilder sind von der gegenüberliegenden Seite des Platzes aufgenommen.

Die imponierenden Gebäude zu fotografieren, von denen die Plaza de Canalejas umgeben ist, stellt nämlich einen Touristen, der nur im Vorübergehen seine Bilder machen will, vor grosse Herausforderungen, weil die Gebäude immer nur von der gegenüberliegenden Seite des Platzes ins Hochformat passen. Das bedeutet, bei grösserer Streckenleistung mehr stürzende Weitwinkel-Linien zu produzieren. Wegen grosser, lärmender und staubiger Baustellen auf der nördlichen Hälfte des Platzes wurde das jedoch mehrheitlich verhindert.

Die Casa de La Tribuna, das Gebäude einer Madrider Tageszeitung, die zwischen 1912 und 1922 herausgegeben wurde, ist darum nur seitlich oder teilweise zu sehen (auf den Bildern 14,15 + 17). Bis 1912 hieß der Platz Plaza de las Cuatro Calles ; er wurde zu Ehren des von einem Attentäter erschossenen liberalen Politikers und damaligen spanischem Ministerpräsidenten, José Canalejas Méndez, umbenannt. Zwischen dem Edificio Meneses und dem ehemaligen Zeitungsgebäude Casa de La Tribuna, liegt das grosse hell und schlicht gestrichene Haus mit dem Café del Príncipe im Erdgeschoss, Plaza de Canalejas No. 5 (Bild 16, das erste der beiden hierunter), vermutlich auch zwischen 1900 und 1920 entstanden. Das ursprüngliche Café del Príncipe war 1807-1849 ein von Intellektuellen besuchtes Kaffeehauses an der Plaza de Santa Ana, neben dem Teatro Español, aber das „Neue“ ist inzwischen auch schon „traditionell“ und wurde gern als Drehort in Filmen verwendet.

Bild 17 zeigt nicht nur eine Menge Wegweiser zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, es dokumentiert auch meinen Versuch, auf der gegenüberliegenden, nördlichen Seite der Plaza de Canalejas zu fotiografieren, mit der Grossbaustelle am Edificio del Banco Hispano Americano im Rücken, welches vollständig hinter Gerüsten, Netzen, Staubwolken und einer Riesen-Lärmwelle verschwunden ist. Zumindest den Staub sichtbar zu machen, ist mir anscheinend gut gelungen. Bevor ich die Flucht vor Lärm und Dreck Richtung Puerta del Sol ergriff, fotografierte ich noch schnell in die Calle de Sevilla hinein, wo ich die Kuppel der Iglesia de las Calatravas entdeckt hatte, sowie einen monumentalen dunkelgrauen Streitwagen, der aussah, als wollte er sich mit Rossen und Fahrer vom Dach stürzen – wahrscheinlich auch wegen des Lärms:

Das heroische große Standbild einer Quadriga mit bis auf einen Helm ziemlich nackt scheinenden Wagenführer steht oben auf dem Dach des Edificio del Banco de Bilbao von 1919 in der Calle Alcalá, 16, es ist sogar ein Paar, nur der zweite von dem Standort aus nicht sichtbar. Geschaffen wurden die beiden vom baskischen Bildhauer Higinio de Basterra Berastegui (1876-1957) aus Bilbao, 25 Tonnen Kupfer, Bronze, Blei und Eisen wurden dafür verarbeitet und 1922 wurden sie dort oben aufgestellt. Weil ich das Gebäude selbst aber nicht gesehen habe, beende ich meinen Artikel an dieser Stelle, an der ich mich der Carrera de San Jerónimo und damit der Puerta del Sol zuwandte

Die Fotos im Beitrag sind alle vom Nachmittag des 11. April 2017 in Madrid, Spanien – zum Vergrössern klickt sie bitte an.

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2 Gedanken zu “Durch die Calle del Príncipe zur Plaza de Canalejas gegangen

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