Der Platz vor der Oper

vVon der Plaza del Sol kommt man über die Calle del Arenal zu jenem Platz, der offiziell Plaza de Reina Isabel II heißt, aber volkstümlich naheliegender Weise gern Plaza de la Ópera genannt wird, der Platz vor der Oper.
Wenn man heute den Platz überquert, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er zwischen dem 16. und frühen 19. Jh. ein wichtiger Platz für die Wasserversorgung Madrids war, mit Brunnen, Badehaus, Waschhaus und Wasserträgern, die das Wasser an die verteilten, die sich leisten konnten, es sich bringen zu lassen, und so hieß er wegen der Brunnen früher Plaza de los Caños del Peral. Im frühen 18. Jahrhundert begann die allmähliche Umgestaltung. Auch ließ sich eine italienische Theatertruppe neben dem Waschhaus nieder, und das Teatro de los Caños del Peral überdauerte von der Gründung 1738 bis zum Abriss 1817, denn zu Beginn des 19. Jhs. war beschlossen worden, ein neues – das heutige – königliches Theater bzw. Opernhaus zu errichten, zwischen Königspalast und Theater die Parkanlage der Plaza de Oriente anzulegen und die Brunnen unter der Erde zu verbergen. Erst 1990 entdeckte man sie bei der Erweiterung der 1925 gebauten U-Bahnstation Estación de Ópera unter dem Platz wieder.

Das neue Theater Teatro Real wurde 1850 eröffnet, am Geburtstag der Königin Isabella II. Im selben Jahr wurde auch die Statue aufgestellt, geschaffen von José Piquer y Duart. Diese blieb aber nicht dort stehen, sondern wurde ein Jahr später zu ihrem Schutz in das Innere des Theaters verlegt, wo sie bis 1878 stand, dann kam sie von dort in den Palacio del Senado, den Palast des Senats, bis sie 1905 wieder auf den Platz zurück gestellt wurde, mit einer Grünanlage darum.
Doch 1931, mit dem Aufkommen der Zweiten Republik, wurde die Skulptur schließlich doch zerstört. Erst 1944 wurde eine bronzene Replik der Marmorstatue angefertigt, die der Bildhauer Piquer selbst für die Nationalbibliothek geschaffen hatte. Diese Bronzeplastik ist diejenige auf den aktuellen Fotos, 2,25 m Bronzekönigin auf einem drei Meter hohen, steinernen Sockel.
Wer die tragische und verwirrende Geschichte auffrischen möchte, in deren Mittelpunkt Isabel de Borbón y Borbón-Dos Sicilias schon sieben Monate vor ihrer Geburt geraten war, dem empfehle ich den Klick > hier.
Das heutige schlichte Erscheinungsbild der Plaza de la Reina Isabel II lässt nicht auf die wildbewegten Historien des Platzes und seiner namensgebenden Königin schliessen. Der Platz vor der Oper wurde im Jahr 2011 weitgehend vom Kfz-Verkehr befreit und umgestaltet, so dass er an diesem sonnigen Aprilmorgen fast leer, ruhig und sehr entspannend wirkte.

Die Fotos sind vom Morgen des 11. April 2017 in Madrid, Spanien – zum Vergrössern bitte anklicken.

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2 Gedanken zu “Der Platz vor der Oper

    • Ja, das ist sehr umfangreiche Geschichte, die es zu dem Platz zu entdecken gibt.
      Ein Kiosk – ja, aber wieder eine ganz andere Sorte als in Lissabon, wo immer gegessen und getrunken werden kann. Die Kioske in Madrid sind je nach Standort sehr verschieden, erinnern im Zentrum oft an Bahnhofskioske mit allem, was der Fremde im Vorbeieilen wünscht, haben aber auch manchmal sogar Internet-Hotspots. Diese beiden sind, so glaube ich nach Rechercheversuchen, keine alten Kioske, sondern nur im für den Platz passenden traditionellen Dekor neu aufgestellt.

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