Knispeln und Summen: Feldwespe und Pelzbiene

Zwei bodennahe Fotos aus dem Garten, die Insekten zeigen, auf die ich wegen ihrer leisen Geräusche aufmerksam wurde: die Wespe raspelte knispelnd von dem niederliegenden trockenen Stängel einer Taglilie vom vorigen Jahr, von den kleinen hummeldicken Wildbiene summten einige in der Blutjohannisbeere herum, aber zu eilig für mich, bis auf diese eine, deren Summen ich irritiert am Boden verortete.

Beide Fotos vom 4. April 2017 sind nicht sonderlich gut, aber das schwarzgelbe Muster aus Streifen und Strichen und die gelben Füsse der Wespe weisen auf drei sich ähnelnden Arten von Feldwespen hin: aber ist es die Schweizer-, Heide-, oder Zierliche Feldwespe? – das ist schwer zu erraten, denn die Vorkommen und Flugzeiten passen mal bei der einen, mal bei der anderen besser.
Immerhin verrät ihre Tätigkeit, weshalb diese Arten ihre englische Sammelbezeichnung „paper wasp“ tragen: weil sie für ihre Wabennester aus den geraspelten Pflanzenfasern eine papierähnliche Masse herstellen.
Eindeutiger zuzuordnen sind die beigebraune Färbung, Fühler, Bart und Büschel an den Füssen bei der Wildbiene: sie weisen zweifellos auf die > Gemeine Pelzbiene Anthophora plumipes hin, auch auf Englisch wieder zutreffend „hairy-footed flower bee“ genannt.

Das Wespenknispeln höre ich zur Zeit im Garten häufig, und es bestärkt mich in meiner Auffassung, dass man im Sinne des Insektenschutzes und der Vielfalt der Arten trockene Stängel verschiedener Stauden nicht nur über den Winter stehenlassen sollte, sondern auch über die ersten Frühlingswochen hinaus: sie werden als Frostschutz für die Pflanzen selbst, als Überwinterungsmöglichkeiten und Nestmaterial benötigt.
Es ist doch egal, ob den unverständigen Nachbarn das „ungehörig“ scheint, weil sie das Konzept eines Grünen Wohnzimmers mit Rasenteppichboden und beschnittenen Baum-Möbeln mit Blumen-Deko bevorzugen. Wenn man durch die Anwesenheiten von Insekten belohnt wird, die anderswo keinen Lebens-Raum mehr zugestanden bekommen, bedeutet das eine ganz andere Art von Garten-Leben.
(So, das musste mal wieder gesagt werden, gerade weil rundum alles kahl gekratzt, rausgeputzt und ordentlich totgesprüht wird.)

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9 Gedanken zu “Knispeln und Summen: Feldwespe und Pelzbiene

  1. Da wird sich bei den Deutschen in ihrer °Gartenkultur° wenig ändern. Es ist ein Graus, mit welch stupider Akribie jedes natürliche Freiheitsverständnis systematisch ruiniert wird. Fehlt noch, dass diese Gärtner mit der Pickelhaube ihr °Paradies° beackern.

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  2. Schön, daß du mit deinem Garten aus der Reihe fällst !!! Es wäre schön, „Unordnung“ wäre ansteckend, jedenfalls im Garten 🙂 Und bei dem, was sich bei dir alles zeigt an Insekten, sieht man doch, wie gut es der Natur tut, nicht mit der Nagelschere beackert zu werden !

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