Eine echte Laterne, Strassenlärm und der Chafariz da Esperança (3/21)

Abwärts der engen und dämmerigen Gasse Travessa do Pasteleiro kam ich vorüber an winzigen Läden und Menschen, die sich quer über die Strasse von Haus zu Haus, oder beim Wäschehängen von Balkon zu Fenster unterhielten, aber dann endete der kleinstädtische Zauber mit dem Auftreffen auf die letzten Meter der in die Avenida de Dom Carlos I mündenden Rua da Esperança. Plötzlich wurde die Großstadt mit Autolärm und Baustellen wieder laut und sichtbar.

2016-03-31 Lissabon (Portugal) Tag 3-8 (4x) Rua da Esperança an der Avenida Dom Carlos I

Die Stelle ist fast nur einen Steinwurf entfernt von der Travessa dos Barbadinhos, der „Treppe der Bärtigen Brüder“, wo ich die Bildern des Eintrags > Rua da Esperança (3/12) gemacht hatte.
Gleich um die Ecke, an der Avenida de Dom Carlos I, liegt ein Platz, der früher einmal Largo da Esperança genannt wurde. Dort gibt es, an ein Haus angelehnt, einen grossen Brunnen aus dem 18. Jh. namens Chafariz da Esperança:

2016-03-31 Lissabon (Portugal) Tag 3-9 (4x) Avenida D. Carlos I +Chafariz da Esperança

Der Brunnen war als ergänzender Teil der durch König João V geplanten Trinkwasserversorgung Lissabons durch den Aqueduto das Águas Livres, dem grossen Aquädukt, um 1730 als Wasserverteilungstelle in der Gegend eingeplant worden.
Durch Carlos Mardel (1695/6 – 1763) wurde die Anlage im Stil des Barock entworfen. Der Ingenieur und Architekt ungarischer Herkunft (Martell Károly heisst es dann), hatte seine Karriere in Portugal zunächst beim Militär begonnen und sich dann als Architekt und Ingenieur einen Namen gemacht, so auch als Hauptarchitekt beim Bau des Aquädukts 1747.
Für den Brunnen erwarb der Senat der Stadt 1752 einen Platz vom Franziskanerkloster Convento franciscano de Nossa Senhora da Esperança, aber es ist leicht vorstellbar, dass die Erdbebenkatastrophe von 1755 und ihre Folgen die Anlage verzögerte. Carlos Mardel war als einer der führenden Architekten Lissabons mit der Wiederherstellung der Stadt beschäftigt.
Erst 1768 vollendete der Architekt Miguel Ângelo Blasco den Chafariz da Esperança. Damals gab es auch eine Zuleitung zu einem etwas entfernt angelegten Becken zum Wäschewaschen. Er ist ein Beispiel für den ‚pombalinischen Stil‘.
Mitte des 19. Jh. besass die Brunnenanlage aus Kalkstein vier Wasserleitungen aus je einem Becken auf den beiden Etagen: zwei bronzene Auslässe oben, über Treppen erreichbar, für die Menschen, zwei unten mit steinernem Trog, um das Vieh zu tränken. Beleuchtung gab es auch und zu der Zeit sogar drei Dienstleisterfirmen der Wasserversorgung, mit neunundneunzig Wasserträgern und drei Vorarbeitern.
Der Aquädukt wurde 1967 stillgelegt. Ich weiss nicht, ob seitdem noch einmal Wasser dort herausgekommen ist. Steht man heute auf dem trockenliegenden Platz, der nicht einmal mehr seinen eigenen Namen hat, ist ein solcher Betrieb kaum vorstellbar.
Das Pflänzchen mit den gelbgrünen Blütenglöckchen, das sich auf dem Löwenkopf angesiedelt hat, kenne ich nicht, aber es wirkt wie ein Heidekrautgewächs auf mich. Nicht wichtig, vielleicht, aber wenn jemand dazu eine Meinung hat, wüsste ich sie gern.

– Fotos vom Vormittag des 31. März 2016 in Lissabon, Portugal.

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7 Gedanken zu “Eine echte Laterne, Strassenlärm und der Chafariz da Esperança (3/21)

  1. Toll eingefangene Details in schöner Kulisse!
    Die Form der Blüten (und des Blütenstands) der Pflanze auf/aus dem Löwenkopf lassen auch mich an Heidekraut(verwandte) denken. Erinnert mich aber auch etwas an Traubenhyazinthen. Für eine echte Bestimmung (auch nur der botan. Familie) müsste man allerdings mehr/Näheres sehen …

    Gefällt 1 Person

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