Rossio (2/41)

2016-03-30 Lissabon (Portugal) Tag 2-18 6x Rossio bzw Praça Dom Pedro IV

Die Geschichte des Platzes mit dem alten Namen Rossio als Fläche, um die herum Gebäude gruppiert wurden, ist älter als die der Praça Figueira, von der ich ja nun inzwischen auch weiss, dass es sich bei ihm eigentlich um das ehemals bebaute Areal des ersten wichtigen Krankenhauses Portugals zwischen dem 15. und 18. Jh. gehandelt hatte, das Hospital Real dos Todos os Santos, das mit päpstlicher Erlaubnis zwischen 1492 und 1504 an der Ostseite des Rossio auf den Platz ausgerichtet, gebaut worden war.
An der Nordseite des Rossio stand bereits der Paço dos Estaus, ein Palacio zur Beherbergung von Botschaftern und anderer wichtiger Gäste des Königshofes an der Nordseite, ab 1540 wurde der Palacio sogar durch den König Dom João III. selbst bewohnt.
1571 wurde aber das Gebäude ganz und gar der 1536 nach Portugal geholten Inquisition als Casa de Despacho da Santa Inquisição überlassen, als Gerichtshof der Inquisition (die erst 1821 abgeschafft wurde). Der Rossio war Platz für öffentliche Hinrichtungen, aber auch für Märkte.

Das Erdbeben von 1755 überstand der Paço dos Estaus, aber 1836 brannte er ab und an seine Stelle wurde 1840 auf der Nordseite des Platzes nach Entwürfen des italienischen Architekten Fortunado Lodi das Teatro Nacional D. Maria II im neoklassizistischen Stil errichtet.
Das Besondere am Gebäude sind die sechs Säulen, die von einer beim Erdbeben zerstörten Kirche stammen. Diese haben ein weiteres Mal widerstanden, als das Theater 1964 bis auf die Aussenmauern abbrannte. Erst 1978 wurde es, originalgetreu wieder aufgebaut, eröffnet.

Es gab bereits verschiedene Gedenksäulen bzw. Obelisken vor der über 27 Meter hohen Säule mit der Bronzeplastik des Dom Pedro IV., dem achtunzwanzigsten König von Portugal und ersten Kaiser von Brasilien, die wieder abgerissen wurden.
Die neue und letzte Säule, mit bronzener Statue des Königs auf der Spitze, die unten von steinernen allegorischen Skulpturen Gerechtigkeit, Mut, Disziplin und Weisheit begleitet wird, wurde 1870 nach Entwurf des französischen Architekten Jean Davioud errichtet; als Künstler arbeiteten daran der französische Bildhauer Élias Robert für die Bronzeplastik und für die Skulpturenarbeit in Stein der portugiesische Bildhauer Germano José de Salles.
Mit dem Errichten dieses Monuments wurde dem Rossio auch ein offizieller Namenswechsel zur Praça Dom Pedro IV verordnet, was aber wenig angenommen wurde.

1889 wurden die beiden identischen Brunnen am Nord- und Südende dem Platz hinzugefügt, geschmückt mit grossen und kleinen Bronzefiguren in Gestalt mythischer Wassergeister. Sie wurden von den französischen Bildhauern Mathurin Moreau und Michel Lienard in Val d’Osne / Frankreich geschaffen und angefertigt, dann nach Lissabon gebracht. Auch das Wellenmuster der Calçada portuguesa, des „Portugiesischen Pflasters“ stammt aus dieser Zeit.

Auf der Bildtafel kann man oben links zum südlichen Ende des Rossio hinunter sehen, wo man hinter dem südlichen Brunnen den Elevador de Santa Justa erkennen kann und auch den Convento de Carmo rechst daneben.
Das gelb gestrichene Haus mit Tor darin, rechts noch einmal extra, wird nach dem Auftraggeber für seinen Bau Arco do Bandeira genannt und stellt eine Verbindung zur Rua dos Sapateiros her. Er ist ein Musterbeispiel für den pombalinischen Stil. Ende des 18. Jhs. wurde er für Pires Bandeira von Architekt Manuel Reinaldo dos Santos als Spiegelbild eines Bogens entworfen, an dessen Stelle heutzutage das Theater Teatro Nacional D. Maria II steht.
Auf den beiden Bildern darunter geht der Blick zum Nordende des Platzes, mit Säule, nördlichem Brunnen und Theater.
In der unteren Reihe ist noch einmal der südliche Brunnen zu sehen und die Westseite des Rossio, wo hinter dem qualmenden Maroni-Wagen die Calçada do Carmo zu den Treppen führt, die, restaurantgespickt, am Rossio-Bahnhof vorbei aus der Baixa hinauf ins Bairro Alto führen.

Fotos vom frühen Nachmittag des 30. März 2016 in Lissabon, Portugal – zum Vergrössern bitte mit der Maus anklicken!

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2 Gedanken zu “Rossio (2/41)

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