Am zweiten Tag in Lissabon: um die Kathedrale herum (15)

Das erste Bild in diesem Eintrag war das letzte meiner Fotos von meinem Weg vom Triumphbogen Arco da Rua Augusta durch die Baixa Pombalina bis zum Largo de Santo António da Sé:

Die rote Strassenbahn verdeckt den Platz weitgehend, und der Baum die Kirche Igreja de Santo António de Lisboa dahinter, und wenn es nicht diese waren, dann Fahrzeuge, die immer dann durchs Bild kreuzten, wenn ich zu fotogafieren versuchte. Auch gebe ich zu, nicht so sehr gefesselt gewesen zu sein von Kirche und Kathedrale, wie vom Drumherum, dem Treiben der Menschen und den umliegenden Kleingkeiten. Das 2. Foto mit den beiden halben Gebäuden illustriert dies perfekt.

Auf dem ersten Foto der 2. Reihe blickt man vom Largo da Sé genannten Platz vor der Kathedrale zwischen der Büste des Schauspielers Augusto Rosa und wieder nur einer halben, aber diesmal Seite der Igreja de Santo António de Lisboa vorbei und zurück, diesmal mit einer gelben Strassenbahn. Das schmückende Detail entdeckte ich über einer Seitentür der Igreja de Santo António de Lisboa.
Der Der Heilige, der von Nichtportgiesen meist Sankt Antonius von Padua genannt wird, heisst hier Santo António de Lisboa, und gilt hier als der Stadtheilige, denn er wurde 1195 als Fernando Martin de Bulhões in Lissabon geboren, in einem Haus etwa auf dem Platz, auf dem die Kirche heute steht. Man bestimmte dies mithilfe der Überlieferung, es habe an der einstigen maurischen Stadtmauer beim Arco Escuro gestanden.
Die maurische Stadtmauer bietet eine gute Überleitung zur Kathedrale an, denn die Catedral Sé Patriarcal, auch Igreja de Santa Maria Maior genannt, errichtete man 1147 auf dem Platz, den während der vierhundertjährigen Maurenherrschaft eine grosse, fünfschiffige Moschee von Lissabon eingenommen hatte.

2016-03-30 Lissabon (Portugal) Tag 2 um die Kathedrale herum (7) Catedral Sé Patriarcal

Das alte Gebäude kam zweimal durch Erdbeben schwer zu Schaden, einmal 1380 und dann natürlich 1755, so dass bis ins 20. Jh. ständig entweder repariert wurde oder dem Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet. Im 18. Jh. bekam die Kathedrale beispielsweise barocke Turmspitzen, António de Oliveira Salazar bevorzugte den „romanischen Look“ und liess die Türme wieder abbauen, Zinnen (wieder-)aufsetzen und das Rosettenfenster einfügen. Politik, die sich über religöse Bauwerke ausdrückt, gefällt mir nicht, auch wenn die Arbeit der Künstler und Handwerker beachtlich war. Nach dem Erdbeben von 1755 hatte die Kathedrale so ausgesehen > Gemälde von Jaques Phililppe le Bas v. 1757

Überall vor den wichtigeren Kirchen Lissabons trifft man auf die Tuchverkäuferinnen, mal mit Blumenmuster, mal mit Lurex über dem Arm, aber immer sind lang wehende Fransen daran. Ob sie jemals etwas verkaufen? Es war um diese Jahreszeit vermutlich noch nicht die richtige Besucherdichte erreicht, auch wenn der Jardim Augusto Rosa genannte Platz mit der Bronze-Büste des Schauspielers von Teixeira Lopes von 1925 und dem Kiosk ganz gut belebt war. Ich sass auf einer der Bänke, lauschte dem Strassenmusiker, trank ein Mineralwasser und fotografierte dann weiter, zum Beispiel den Blick vom Jardim Augusto Rosa hinunter zu den Häusern an der Rua dos Bacalhoeiros (oben rechts) nach Süden, bzw. genau entgegengesetzt das fliesengeschmückte Haus in der Rua de Augusto Rosa (unten links).

Den grossen, über die Mauer schauenden Wollmispel-Baum in der Rua Pedras Negras, der eigentlich dem Haus fast benachbart steht, entdeckte ich erst beim Weitergehen, hinter der Biegung des Largo da Sé, der sich zwischen der Igreja de Santo António de Lisboa und der Vorderseite der Kathedrale hügelan windet, wo er im Zusammentreffen der Rua Pedras Negras mit der Rua de Augusto Rosa in letzterer auf- und bergaufgeht:

Auf der Rückseite der Kathedrale zweigt die Rua do Barão bergab, und die Geräusche der altmodischen hölzernen Pflasterstampfer zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Wenn es mal gemacht ist, hält es sicherlich wieder hundert Jahre. Auf dem rechten Foto blickt man durch die Rua de Augusto Rosa zurück auf die Kathedrale, nachdem ich die schon wieder ein gutes Stück aufwärts gegangen war, auf dem Weg zum nahe gelegenen Miradouro de Santa Luzia, von wo ich einen Blick über den Stadtteil Alfama haben würde.

Fotos vom 30. März 2016 in Lissabon, Portugal; zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken.

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2 Gedanken zu “Am zweiten Tag in Lissabon: um die Kathedrale herum (15)

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